Kaufable - Der Podcast von Erik Reintjes und Johannes Altmann
Wie baut man Produkte, die Menschen wirklich kaufen? Erik Reintjes (Mitgründer MissPompadour) und Hannes Altmann (User Researcher, Gründer Shoplupe & pinops) diskutieren, was zwischen Produktidee und Umsatz passiert – und was dabei schiefgeht.
Es geht um Produkte, Marken, Preise, Absatzkanäle, Community und Konsumtrends. Erik bringt die Praxis des Markenmachers mit, Hannes die Perspektive aus tausenden Gesprächen mit echten Konsument:innen. Gemeinsam beantworten sie die Frage, die am Ende jeder Maßnahme steht: Wie mache ich damit Umsatz?
Ohne Schischi, ohne Buzzword-Bingo – dafür mit klaren Meinungen, echten Beispielen und dem festen Glauben: Kundenorientierung ist kein Poster an der Wand, sondern der einzige Weg zu Produkten, die sich verkaufen. Für alle, die in DACH Marken bauen, Produkte machen und verkaufen.
Kaufable - Der Podcast von Erik Reintjes und Johannes Altmann
Kaufable - Folge 4: Wie politisch darf ein Unternehmen sein, was nutzt es oder schadet es
Use Left/Right to seek, Home/End to jump to start or end. Hold shift to jump forward or backward.
Diese Woche haben sich Erik und Hannes an ein Thema gewagt, bei dem man möglicherweise nur verlieren kann: Wie viel Haltung verträgt ein Unternehmen – und wem nützt sie eigentlich?
Aufhänger war der Fall Müllermilch. Theo Müller, Treffen mit Alice Weidel, und keine 24 Stunden später der übliche Reflex: Boykott. Eine Civey-Umfrage vom Handelsblatt sagt, 42 % würden künftig zur Konkurrenz greifen. Erik ist da ziemlich unromantisch: Die meisten, die jetzt laut boykottieren, haben das Produkt vorher auch nicht gekauft. Nestlé wird seit Jahrzehnten boykottiert – dem Aktienkurs ist das bemerkenswert egal.
Wir sind dann ziemlich schnell bei der unangenehmen Frage gelandet, wo man eigentlich aufhört. Ritter Sport bleibt in Russland und wurde dafür geprügelt – aber eine Fabrik ist eben kein Abo, das man kündigt. Und wenn man moralische Maßstäbe wirklich konsequent anlegt, wird die Liste der Länder, mit denen man noch Geschäfte machen darf, sehr kurz. Nach Meinung von Erik die USA übrigens inklusive.
Hannes geht diese Personalisierung von Marken auf die Nerven. Wenn Elon Musk Unsinn macht, trifft der Boykott 100.000 Mitarbeitende, die nichts dafür können. Erik hält es pragmatischer – er kauft bestimmte Sachen einfach nicht mehr, macht daraus aber keinen LinkedIn-Post. Was uns zum zweiten großen Reizthema brachte: Regenbogen-Washing. Logo bunt im Juni, in Saudi-Arabien dann lieber nicht. Das merken die Leute.
Am Ende sind wir uns einig, dass es keinen sauberen Weg gibt. Unternehmen nach Meinung von Hannes keine eigene politische Meinung – Erik sagt, Gründer sollten ihre Werte einfach leben statt sie zu plakatieren. Beides zusammen ist vermutlich näher an der Wahrheit als jeder einzelne Standpunkt.
Danke an Shopware für die Unterstützung dieser Folge.
Hallo und herzlich willkommen zum Kauflevel Podcast Folge Nummer 4. Ich bin Johannes Altmann und telefoniere heute wieder mit Erik Ranties. Hallöchner. Schönen guten Tag. Hallo. Ah, vergessen. Und diese Folge wird auch wieder präsentiert von Shopware. So schön haben wir es noch nie gemacht. Wie geht's dir? Sehr gut. Sehr, sehr gut. Alles fein soweit.
SPEAKER_01Wie geht's dir?
SPEAKER_00Mir geht es auch total gut. Ihr habt es gerade schon gesagt, ich am Wochenende war Waldfest in Schliersi. Ich habe Händl produziert und es ist mir ein bisschen anstrengend, aber das habe ich mir schon wieder erholt.
SPEAKER_01Hast du dich von den Münchner ISA-Preuzen nerven lassen?
SPEAKER_00Ja, das sind in Schliers ja noch okay vertreten. Das ist dann erst den Gegentee, was richtig krass wird. Weil wir heute nicht so viel Zeit haben wie üblicherweise. Das haben wir irgendwie so reingegretzt, würde ich gleich mit unserem Thema starten, oder? Sehr gerne. Mit folgendes beschäftigen, das beschäftigt mich schon länger. Wie politisch darf ein Unternehmen sein? Ich bin immer, ich erschrecke immer, ist erschreckend? Ja, doch, ich erschrecke immer. Ich denke mir immer, wie kommt es zu einer Entscheidung, dass ein Unternehmen plötzlich politische Aussagen trifft, sich politisch in die Waagschale wirft? Wer entscheidet es, warum macht man es? Bringt es eigentlich was? Verschert sich es mir mit einem Grundklientel und holt mir dafür ein anderes Klientel? Warum ist das, was würden wir es tun, ja, nein? Befindest du das Thema?
SPEAKER_01Ein gutes Thema, in der aktuellen Zeit natürlich höchst brisant. Ja, genau, ich habe krass recherchiert jetzt. Es gab ja auch in den letzten Jahren viele Momente, wo man sich als Unternehmen hätte auch in die Nesseln setzen können oder auch zeigen können, dass man auf der richtigen Seite ist, was auch immer die richtige Seite ist. Nee, viel ein gutes Thema.
SPEAKER_00Also ich habe zum Beispiel ein bisschen drauf gekommen, bin ich, weil meine Frau war im Kindergarten und hatte eine Müllermilch dabei und hat die gefunden. Ja, genau. Und dann kommt eine andere Mama auf sie zu und sagt, das hätte ich nie was von dir gedacht, dass du Müllermilch trinkst. Und Christiane sagt, wieso denn eigentlich? Ihr habt es ja gekauft, weil das hat um den Drehverschlossen und das ist super praktisch. Nee, aber das ist ja ein Nazi-Produkt. Boah, okay. Also ich wusste gar nicht, dass er Milch jetzt auch schon Nazi sein kann. Und dann ging er die Diskussion los. Und dann habe ich das mal recherchiert mit der Fall Müller, wo ja der Inhaber Theo Müller sympathisant der AfD sein kann. Das ist ja my belegt, my nicht. Er hat zumindest, also muss er jetzt echt hardcore recherchieren und genau ablesen. Er hat gesagt, bei Gesprächen mit Frau Dr. Weidel ein Interesse am Programm. Er hat dann aber nicht widersprochen, dass er die AfD gut oder schlecht findet. In einem NZZ-Interview hat er dann gesagt, die Alice Weidel ist eine Freundin von ihm. Damit hat Erzwinn jetzt nicht das Unternehmen in den politischen Rang geworfen, sondern er hat sich selber. Und das ist auf jeden Fall Diskussionsstoff. Und jetzt die Frage, ist es sinnvoll oder nicht? Natürlich könnte man sagen, hey, wir sind ein freies Land und jeder kann erzählen, was er will. Aber es kann Auswirkungen haben auf dein Unternehmen.
SPEAKER_01Absolut. Also ich glaube, man muss auch immer noch ein bisschen differenzieren, denn ich denke mal, dass ein ganz großer Teil der Kundinnen, die Müllermilch nicht konsumieren würden, wegen seiner politischen, vermeintlich politischen Einstellung, würden das Produkt eh nicht konsumieren, weil sie andere Milchprodukte konsumieren.
SPEAKER_00Ja, davon abgesehen, ja klar. Gibt es Gründe, dass du entscheidest oder nicht? Haben wir vorher aber auch diskutiert. Nestle wird seit immer schon boykottiert, schaut sich den Nestle-Aktienkurs an. Absolut.
SPEAKER_01Die Ankerkraut-Gründer haben es ja auch am Leibe erfahren, als sie damals an Nestle verkauft haben, gab es ja den riesen Shitstorm. Der Mensch an sich mag gern Feinde und braucht auch Feinde, glaube ich, um das eigene Verhalten zu rechtfertigen. Nichtsdestotrotz finde ich es total richtig und wichtig, dass man sich als Unternehmer auch politisch positioniert, egal in welche Richtung, du hast es gerade gesagt, wir sind ein freies, demokratisches Land und sobald sich das in einem demokratischen Spektrum bewegt, kann jeder seine Meinung haben, so wie ich meine Meinung habe, dass man die AfD absolut nicht wählen darf. Weil für mich ist es eine rechtsgesicherte Partei und wird vom Verfassungsschutz angeschaut. Und das sage ich als Mensch und als demokratischer Wähler und auch als Unternehmer. So, weil mir macht das nämlich Angst, weil mir das auch für die Wirtschaft Angst macht, wenn unser Land sich in eine falsche Richtung, meiner Meinung nach, falsche Richtung bewegt. Das ist ja immer Diskurs. Und wenn man was sagt, muss man ja auch damit klarkommen, dass jemand was dagegen sagt. Heute wird dann immer von vor allem auch aus dem Spektrum gerne gesagt, man darf ja heute nichts mehr sagen. Du darfst heute alles sagen. Dir muss nur klar sein, dass jemand mit deiner Meinung nicht d'accord ist und dass du eins auf den Deckel kriegst.
SPEAKER_00Okay, jetzt hast du dir gesagt.
SPEAKER_01So, und er hat, genau, und er hat das jetzt so für sich kommuniziert, beziehungsweise hat ja, glaube ich, auch keinen Hehl daraus gemacht, dass Frau Weidel ein toller, dass er ein Fan von dir ist. Die leben ja, glaube ich, auch beide in der Schweiz, wie es sich für deutsche Patrioten gehört. Erstmal schön in die Schweiz steuerlich abdüsen. Glaube ich, man weiß es nicht, das ist nur hypothetisch von mir. Aber er macht ja kein Hehl draus, dass er zu dieser Partei und auch zu diesem politischen Spektrum seine Meinung hat. Das hatte er ja schon immer, das ist ja auch schon immer bekannt. Und der Kunde muss am Ende entscheiden, ist ihm die politische Meinung des Unternehmers wichtig oder ist ihm das Produkt wichtig?
SPEAKER_00Aber dann gab es ja danach die Kampagne, das wusste ich auch nicht, da gab es eine Crowdfunding-Kampagne, wo die eine Million Sticker produziert haben und Leute auf die Müller-Milchprodukte kleben konnten, jetzt mit AfD-Geschmack. Das ist ja dann quasi die Rechnung, die du zahlst. Und die ist schon bitte. Es gibt keine Zahlen, ob es eine Auswirkung hatte auf, doch, es gab eine Zahl. Es gab eine Sivestudie vom Handelsblatt. 5000 Teilnehmer wurden gefragt, da haben 42 gesagt, sie würden sich jetzt eher gegen Müllerprodukte entscheiden. 13 wollten mehr Müller Milchprodukte kaufen und 40 war es egal.
SPEAKER_01Das ist ja fast wie das politische Spektrum in Deutschland, wenn man mal die Hochrechnungen ignoriert, die ja jede Woche rausgeblasen werden. Ja, natürlich kann sowas einer Marke schaden. Ich finde so eine Aktion eigentlich, da kippt es für mich halt in den Aktionismus. Wir haben ja gesagt, wir haben eine Meinungsfreiheit in Deutschland und auch eine politische Meinungsfreiheit. Und wenn er erzkonservativ denkt, ist das sein gutes Recht. Ich finde wiederum ist es nicht das gute Recht, ihn dafür öffentlich zu bestrafen, solange er nichts Illegales macht. Man kann in den Diskurs gehen, man kann E-Mails an die Firma schreiben, man kann ihm E-Mails schreiben. Aber ich war letzte Woche zufällig in einem Edeka in Deutschland und ich sehe nicht, dass das Müller-Regal kleiner wird. Also ich weiß nicht wirklich, ob das den Endverbraucher soweit interessiert, weil das Kühlregal ist meiner Meinung nach fast ein Viertel von Müllermilch dominiert. Und das ist nichts Neues, das Thema bei ihm.
SPEAKER_00Ihr habt ja auch nochmal recherchiert, es gibt quasi kein Konsumentenboykottverfahren, Boykottaufruf, was Unternehmen signifikant dauerhaft geschadet hätte. Also nochmal Fall Nestle, das gibt es einfach nicht. Bei Fall Tesla ist man sich nicht sicher, ob der Rückgang der Zulassungszahlen jetzt an politischen Aussagen von William Musking oder ob es einfach ein anderer Grund ist. Aber eigentlich diese Boykottaufrufe, ich persönlich finde sie krass unfair, weil er arbeiten hat ein paar tausend Mitarbeiter, hängen ein paar tausend Familien daran und du gefährdest einen Arbeitsplatz, weil du die Meinung des Gründers nicht gut findest oder Inhaberst. Und wenn du das halt immer machen würdest, dann könntest du jetzt von allen deutschen DAX-Unternehmen die Geschichte groß ausrollen, würdest feststellen, dass du in keinem deutschen Unternehmen, was älter als 50 Jahre ist, eigentlich was kaufen dürftest. Das ist ja uferlos.
SPEAKER_01Ja, man muss wahrscheinlich nicht mal auf die Geschichte eingehen. Man kann ja auch auf, weiß ich nicht, bei Siemens irgendwie den Bestechungsskandal in Brasilien. Wahrscheinlich, wenn du bei jedem Konzern, Großkonzern durchgehen würdest, die Deutsche Bank, was hat die über Jahre? Ein Skandal nach dem anderen. Ergo-Versicherung mit den Partys. Also ich glaube, was immer spannend zu sehen ist, wie schnell die Kundin und der Kunde vergisst. Weil du hast ja gerade gesagt, diese Boykotts bringen nicht viel. Außerdem sind wir ja auch gerade in so einer Phase, wo es ja wirklich jede Woche was Neues ist. Das heißt, du kannst eigentlich das eine Thema gar nicht abschließen, weil dann schon wieder der nächste eins auf den Deckel kriegt. Auch ganz schwierig. Nichtsdestotrotz sollte man natürlich als Unternehmen so agieren, dass man gar nicht in die Situation kommt, dass man verurteilt wird. Denn wenn du dich einigermaßen in einem normalen Spektrum, in einem demokratischen Spektrum bewegst und kein Schmal machst, dann bist du ja auch nicht angreifbar.
SPEAKER_00Oh, das ist ja aber einfach ein schmaler Grad. Wenn ihr jetzt einfach sagt, die alles weidle, ich finde die einfach nett, ich würde sagen, auf den ersten Blick ist die auch nett, die habe ich sie noch nie in meinem Leben getroffen. Könnte es jetzt halt schon Boykottaufruf sein?
SPEAKER_01Ja, aber da kommen wir ja genau in das Thema, was meiner Meinung nach gerade das Problem in unserer Gesellschaft ist, dass wir halt total die Debattenkultur vergessen haben oder verloren haben. Und es gibt halt nur ein Ja oder Nein. Und die Person auf der Ja-Seite und die Person auf der Nein-Seite sind so verharrt in ihrer Meinung, dass es überhaupt nicht mehr zu einem Gespräch kommt. Wenn er der Meinung ist, er findet jetzt die AfD-Politikerin oder wen auch immer, findet er toll, das ist so what? Das ist seine Sache.
SPEAKER_00Aber findest du nicht, dass man vielleicht, um das alles immer so simpel zu kommunizieren, alles immer so personifiziert? Das ist mir aufgefallen. Ich will keine Tesla fahren wählen, Elon Musk. Der Putin hat gestern einen Kindergarten bombardiert, der Zelensky hat Soldaten erschossen, der Donald Trump hat gesagt, ich mag die nicht. Also das ist ja faktisch falsch. Also weil persönlich tun es die Leute nicht, sondern die geben es halt weiter. Und ich das macht ja die Diskussion so hart immer. Weil ein Elon Musk, der kennt mich nicht, das ist ihm auch, der weiß vielleicht auch noch ungefähr, wo Deutschland ist. Und der ist Teilhaber oder Co-Founder von Tesla, aber da sitzen ja noch mehr hunderttausend andere Mitarbeiter drin und ein Management und was weiß ich was.
SPEAKER_01Ja, aber ich bin ganz ehrlich, der hat seinen rechten Arm hochgestreckt. Ganz klarer Hitler-Gruß. Also ich glaube, das muss gar nicht diskutiert werden und ich kaufe keinen Tesla mehr. Aber ich baue jetzt ein neues Auto. Geschäftswagen läuft jetzt aus, möchte jetzt einen neuen haben, will jetzt ein Elektroauto und ich ehrlich gesagt gehe jetzt zu einer anderen Marke, weil ich will das einfach nicht unterstützen. Aber das ist, und damit ist die Sache aber für mich auch durch. Ich mache jetzt kein LinkedIn-Posting mit Ich kaufe kein Tesla, weil Elon Musk das gemacht hat und so, sondern ich für mich entscheide einfach als Verbraucher, ich möchte nicht, dass irgendwie nur ein Euro mehr Shareholder Value in seine Tasche fließt.
SPEAKER_00Das ist jetzt ein super Beispiel, weil das war ja ein LinkedIn, haben sich ja Unternehmer wiederum verpflichtet, so gefühlt Publik zu geben, dass sie gegen Tesla sind. Also irgend so ein Typ schreibt, wir haben offiziell 14 Dienstwägen der Marke Tesla zurückgegeben. Es ist einfach mir wurscht, was du zurückgibst oder nicht. Du bist für dich selber. Genau, aber das ist halt wieder die Frage, muss ich mich mit allem, was ich mache, immer so politisch, du machst ja voll krass Schleichwerbung, ja. Für wen? Mit deinen Riesenbau.
SPEAKER_01Achso, hallo Herr Ritter.
SPEAKER_00Muss ich mich politisch immer voll reinwerfen und sage, hey, ich habe jetzt Teslas zurückgeben. Ich zum Beispiel, ich habe mir, nach dem Diesel-Skandal von VW, habe ich mir geschworen, dass ich nie mehr wieder in VW kaufe. Aber es ist jetzt kein Statement, keine große Anzeige. Ihr habt es auch für mich halt beschlossen.
SPEAKER_01Aber das ist doch genau die richtige. So, ein Unternehmen baut scheiße. Also das dürfen wir gar nicht mehr sagen. Unser Podcast wurde schon eingestuft als Frivol. Das stimmt. Aber wir dürfen ja nicht fluchen. Spotify hier an der Zensur. Nee, also, ein Unternehmen baut Mist und veräppelt mich als Kunden. Ich hatte damals keinen VW, aber veräppelt andere als Kunden. Dann ist die Konclusio, das ist ein Unternehmen, mit dem möchte ich nicht mehr zusammenarbeiten. Fertig. So, und genauso finde ich es ja auch okay zu sagen, ich möchte nicht, dass ein Herr Müller noch ein größeres Vermögen bekommt und mit dem Vermögen Politiker oder Nicht-Politiker unterstützt, die absolut in einem anderen Spektrum von dem sind, wo ich mich sehe, dann gebe ich dem halt kein Geld. So, und der Markt, das ist, also manchmal kann der Markt schon regeln. Ich bin kein Riesenfan von dieser Floskel, der Markt regelt. Aber du kriegst heutzutage im Supermarkt auch fast keine anderen Eier mehr als Bio-Eier oder mindestens Bodenhaltung, weil die Leute halt gesagt haben, sie wollen diese Käfighaltung nicht mehr unterstützen, die kaufen wir nicht mehr. Das hat sich ja total gedreht. Ob diese Eier jetzt besser in der Haltung sind, das ist ein anderes Thema. Aber da hat der Kunde halt einfach mal gezeigt, wir kaufen keine Käfigeier mehr. Selbst beim Aldi oder so kriegst du ja keine, kriegst du keine Hardcore-Käfigeier mehr. Und das ist, glaube ich, schon eine Macht, die der Kunde hat. Ich finde es halt affig, wenn man dann mit dem Thema versucht, vor allem halt natürlich in unserer Blase, auf LinkedIn dann, sich als diesen Begriff, Gutmensch war auch mal ein Begriff, zu positionieren und zu sagen, ja, weil deshalb kaufe ich mir keinen Tesla. Kauf ihn ja einfach nicht. Und irgendwann geht der Wert runter. Oder andere entscheiden, sie wollen weiter dieses Auto kaufen, dann kannst du halt auch nichts gegen machen.
SPEAKER_00Und vergessen ist halt wieder. Gehen wir mal ein anderes Thema, andere Firma. Ritter Sport. Hat ja verkauft die Schoki ja weiterhin nach Russland. Und eine V-Ex-Petition hat aufgerufen zum Boykott gegen, das war 2022, nicht mehr ganz aktuell, und ein ukrainischer Botschafter hat gesagt, quadratisch, praktisch, blutig. Jetzt verstehe ich eine Firma Rittersport total. Weil wir sagen, okay, du musst jetzt Russland boykottieren, alles muss weg, alle Fabriken, die du hast, weg, alles, was du aufgebaut hast, weg. Und in eineinhalb Jahren machen wir einen Friedensvertrag und da kannst du gerne wieder von vorne anfangen. Aus Rittersport, Unternehmersicht, würde ich sagen: Ey Leute, ich kann nicht auf alles politisch reagieren, weil so kann ich kein Unternehmen führen. Deshalb fahre ich da drüber. Aber die haben das eigentlich auch bitter zu spüren bekommen. Es gibt eigentlich keine offiziellen Zahlen, man geht schon davon aus, dass die da 10% ihres Umsatzes verloren haben.
SPEAKER_01Im Westen dann. Jetzt ist die Frage, wie viel haben Sie in Russland Plus gemacht? Vielleicht haben sie das auch ausgeglichen.
SPEAKER_00Ja, keine Ahnung, gibt es nichts offiziell, gibt nur Vermutungen.
SPEAKER_01Möchtest du meine Meinung dazu wissen?
SPEAKER_00Ja, sag mal.
SPEAKER_01Ja, also auf der einen Seite finde ich natürlich deine Argumentation richtig. Unternehmen und Unternehmer planen halt in Jahrzehnten. Und wir können uns eigentlich nicht immer darauf einlassen, dass Politik alle vier Jahre das Fähnchen in eine andere Richtung ballert. Schon mal allein ihre zur eigenen politischen Meinung, aber auch irgendwie alle fünf Jahre irgendeiner durchdreht und denkt, er muss jetzt wieder die Welt beherrschen. Also es ist halt krass, wenn du in Russland irgendwelche Werke hast. Also ich kenne auch in unserer Branche genug, also vor allem die Farbbranche, die Deutsche hatte ja sehr viele Werke in Russland, sehr starke Absatzmarkt. Da reden wir auch von zig, zehn Millionen Umsatz. Ich kenne auch ein paar, die verkaufen auch immer noch nach Russland. Auch über Wege. Oder die Firmen laufen halt in Russland weiter und man weiß, wenn das Ganze mal endet, dann, ey, ehrlich gesagt, ganz Wien hängt an der russischen Wirtschaft. Die Raiffeisenbank hier in Österreich hat das größte Portfolio in Russland. Also, das ist, die arbeiten alle noch mit Russland, weil sonst würden ganz viele Teile unserer Gesellschaft und Wirtschaft hier gerade gar nicht funktionieren, zumindest in Österreich. Es ist so schwierig. Weil auf der anderen Seite kannst du natürlich sagen, was kann denn jetzt die russische Bevölkerung dafür, dass sie keine Schokolade mehr essen sollen? Weil halt eine politische Kasse da durchdreht. Willst du dir jetzt irgendeine 55-jährige Kundin im tiefsten Russland hinten, der total egal ist, was in Moskau passiert, bestrafen, dass sie dann keine Schokolade mehr essen darf? Auf der anderen Seite, ich könnte es nicht mit meinem Gewissen vereinbaren.
SPEAKER_00Aber es ist ja auch nicht verboten, dass du Schokolade nach Russland exportierst, das ist ein Haltungsthema.
SPEAKER_01Und als angenommen, Also die sind dir, das fällt nicht unter die Sanktionen.
SPEAKER_00Nee, scheinbar nicht. Aber als angenommen, du hast ja gerade Polen gestartet. Zeig mal, du, Polen, die wollen die Ukraine gar nicht so unterstützen, wie wir uns das vorgestellt haben. Deshalb wollen wir jetzt offiziell ist jetzt Polen nicht mehr unser Freund. Wir wollen den EU-Subventionen kürzen und überhaupt Polen schwieriger Kandidat. Würdest du dann sagen, okay, jetzt haben wir Polen angefahren, aber wir müssen jetzt einfach wieder aufhören, hilft ja nichts. Oder sagst du, nee, es sitzt jetzt mehr aus und mal abwarten.
SPEAKER_01Ich glaube, ich bin da genauso in derselben Sache, solange da nichts Menschenrechtswidriges passiert, habe ich ja kein Problem damit. Also ich kann ja nicht für Polen sprechen. Ich kann ja nicht deren politische Meinung sprechen.
SPEAKER_00Nee, aber das kannst du auch schwer für keinen Menschen.
SPEAKER_01Ja, aber Russland hat aber einen illegalen Angriffskrieg gestartet. Im Endeffekt müssten wir das bei den Amerikanern genauso machen. Da kommen wir von Hölzchen aufs Stöckchen. Ja, und dann kommen wir. Aber ich habe auch keinen Bock, mit den USA zusammenzuarbeiten, ehrlich gesagt. Also wir überlegen immer mal wieder, machen wir eine Expansion in die USA in den nächsten Jahren. Ich möchte aktuell nicht mit den USA zusammenarbeiten. Ich will nicht da mein Produkt sehen. Ich will keine Steuern an die Trump-Administration bezahlen, die sich das Geld wirklich sowas von dermaßen selber einschieben. Kommen wir auf dasselbe Thema, aber es ist halt eine andere Entscheidung, ob du schon in einem Land bist, schon eine Infrastruktur aufgebaut hast, da auch Mitarbeiter hast. Also ein Farbsteller, Farbhersteller in Deutschland, mit dem wir sehr eng zusammenarbeiten, der hatte einfach 800 Mitarbeiter in Russland auf seiner Payroll. So, willst du da anrufen am nächsten Tag und sagen, ja, ich überweise jetzt kein Gehalt mehr?
SPEAKER_00Ja, ja, eben, eben, eben. Also ich finde, das ist total schwierig. Also deshalb diskutieren wir es ja auch.
SPEAKER_01Aber, also ich glaube, weil unser Postcast heißt ja auf Kaufable, ich muss damit rechnen als Firma, dass ich entweder tierisch als auf den Deckel kriege in dem Land oder dass ich halt von meinen Kunden eins auf den Deckel kriege.
SPEAKER_00Ja, ja, genau, so ein kleines Zwischenfazit. Ah, machen wir mal kurz zwischen Werbung und dann Zwischenfazit. Diese Folge wird presentiert von Shopware. Shopware is the führende Open Source E-Commerce Plattform for the complex modern B2B Unternehmen and is worthwhile from around 55.000 Händler genutzt. Intelligent Betriebssystem for the digital handle Shopware an offense and a API-first architectural with supporting functions. So let them self-full process up. Diese Offenheit schafft die Freiheit für Innovationen schnell, sicher und skalierbar umzusetzen. Gleichzeitig ist Shopware konsequent auf Agente Commerce vorbereitet. Diese Verbindung aus B2B-Kometenz, Offenheit und Agentec Readiness macht Shopware zur zukunftsfähigen Plattform für den modernen Handel. Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Berater oder Agentur.
SPEAKER_01Werbung Ende.
SPEAKER_00Also Summary, wenn du kannst, wenn du als Unternehmer politisch bist, nicht viel gewinnen, aber viel verlieren.
SPEAKER_01Ja, aber zum Beispiel, ich glaube, ein Wirt hat zum Beispiel recht viel gewonnen. Weil der hat sich ja vor zwei Jahren sehr, sehr, sehr offen gegen die AfD ausgesprochen. Was ich auch richtig finde, wenn du ein Unternehmen hast mit weit über 80.000 Mitarbeitern, also da bist du halt eine Person des öffentlich, also ich finde es nicht richtig, was er inhaltlich gesagt hat, aber dass du dich positionierst. Weil wenn du so viele Menschen hast, die in deinem Unternehmen arbeiten, und da bist du ja, bist du meiner Meinung nach auch politisch beeinflussend und auch verpflichtet, dich politisch zu. Da kannst du halt nicht sagen, ja, ich habe damit nichts zu tun.
SPEAKER_00Aber er muss damit dann zurechtkommen, dass von seinen 80.000 Mitarbeitern 20.000 die AfD wählen.
SPEAKER_01Ja, er kann ja nichts gegen machen, aber er kann natürlich schon sagen, Leute, wenn ihr euch mal das Parteiprogramm anschaut, das hilft der Wirtschaft nicht. So.
SPEAKER_00Aber trotzdem ist er auch ein Risiko. Könntest du als Unternehmer, als Mitarbeiter da drin setzen und sagst, also, ich will eigentlich nicht, dass mein Chef für mich analysiert, was ich wählen soll.
SPEAKER_01Du kannst es dir anhören und kannst du ja dann wiederum deine eigene Meinung bilden. Ja, ja, kannst du abhaken. Aber natürlich, du kannst sehr stark verlieren. Und ich merke selber schon auch manchmal, weil ich bin ja auf LinkedIn recht aktiv. Oder jetzt gerade vielleicht nicht so viel, aber sonst. Und es gibt schon Themen, wo ich gerne mal mehr offensiv was posten würde. Und dann mache ich es aber doch nicht. Weil ich persönlich dann denke, ist es jetzt vielleicht doch nicht wert. Dass vielleicht Mitarbeiter von mir auch das lesen und denken, bin ich jetzt nicht der Meinung. Oder das, ja, also wie gesagt, ich glaube, das hat jetzt nicht viel mit unserer Kundin zu tun, weil die liest ja nicht, was ich auf LinkedIn schreibe. Aber es gibt schon Themen, wo ich manchmal ein bisschen offensiver schreiben würde und es dann nicht tue. Weil ich denke, das könnte dann schon auch mit Gegenwehr oder da könnte Gegenwehr hochkommen. Oder weiß ich, andere Leute schreiben was und ich kommentiere es dann nicht. Weil ich mir denke. Ja, mach ich auch. Ja, weil ich mir denke, so, ey ganz ehrlich, da müsste ich jetzt mal wirklich. Eigentlich müsste man da mal was schreiben und dann mache ich es nicht, weil ich mir denke, ist es jetzt meine Aufgabe, beziehungsweise hilft es mir jetzt wirklich, dass andere Leute denken, was stänkert der jetzt dagegen?
SPEAKER_00Ich finde, also gebe mir auch so, ich würde auch oft mehr schreiben und mehr kommentieren, mach es dann auch nicht. Ich finde, LinkedIn ist krass politisch geworden. Es war früher überhaupt nicht. Jetzt ist jeder gefühlt jeder dritte Beitrag, ist ein politischer Beitrag. Und wenn es nur über den Zustand des Landes philosophiert und diskutiert wird, aber ich mache es auch nicht, weil es ist uferlos und ich finde eine LinkedIn-Komardiskussion. Also da ist die Distanz so groß, dass man weder nett miteinander ist, nochmal nicht aufeinander eingeht, sondern einfach nur gegeneinander schießt und das macht irgendwie nicht so viel Sinn.
SPEAKER_01Also wo wir uns jetzt schon sehr stark positionieren, ist einfach das Thema Diversität als Firma. Aber jetzt nicht mit Wir haben zum Beispiel nie ein Regenbogenlogo gemacht.
SPEAKER_00Genau, das ist ein gutes Thema, wollte ich auch.
SPEAKER_01Weil wir das selbstverständlich leben. Wir haben homosexuelle Kolleginnen, wir hatten auch Kolleginnen, die sich in der Trans-Community gesehen haben, auch welche, die sich in der LGBTQ plus wo auch immer darin sehen. Das ist bei uns einfach Standard. So, wir müssen es für uns nicht hervorheben, um damit vermeintlich nach außen was zu präsentieren, sondern das ist was, was wir nach innen leben wollen. Und in unserer Außenkommunikation inkludieren wir eh immer alle. Ich weiß, dieses Thema Gendern, ich glaube, jetzt ist es echt auch gar nicht mehr so ein Thema, weil es hat sich doch langsam auch einfach positioniert, beziehungsweise die nächsten Generationen, für die ist das selbstverständlich. Aber so vor drei, vier Jahren war das ja noch. Also da haben uns ja KundInnen geschrieben, ich kaufe nie wieder Farbe bei euch, weil ihr KundInnen geschrieben habt. Und da habe ich mir gedacht, ja gut, muss doch nichts mehr bei uns kaufen. Also man kann sich übrigens auch als Firma seine Kundin aussuchen, ne? Nur mal so als. Man muss nicht jeden was verkaufen. Man kann auch sagen, ganz ehrlich, mit dir wollen wir nichts zu tun haben, auch in die andere Richtung. Und wir haben aber von Anfang an selbstverständlich gegendert. Das hatte aber nichts für uns damit zu tun, dass wir jemanden erziehen wollten oder dass wir, sondern wir hatten einfach Kolleginnen, die saßen mit uns im Gespräch und wir haben das lange diskutiert und dafür und wieder. Und die haben gesagt, wir würden uns das sehr wünschen, weil dann werden auch wir und unsere Leute angesprochen. Das war das Argument. Und dann haben wir gesagt, wenn ihr euch das wünscht und wir euch damit inkludieren können in unserer Sprache, dann machen wir das. Auch gegen alle Widrigkeiten nach außen, weil es uns wichtig war, dass unsere Mitarbeiterinnen sich gesehen gefühlt haben. So. Und immer wenn dann irgendjemand gemeckert hat, haben wir halt gesagt, ja, da mecker halt.
SPEAKER_00Also ich habe es ja nicht gemacht. Also bei mir in der Firma wird nicht gegendert. Ich sitze ja in Bayern, gern unser Ministerpräsident hat gesagt, das brauchst du nicht machen. Aber ich finde es A kompliziert, B, sieht es irgendwie seltsam aus. Und C, darauf haben wir uns dann beschlossen, du kannst es ja auch umgehen. Also bevor ich sage, TeilnehmerInnen einer Fokusgruppe, kann ich jetzt sagen, Teilnehmende einer Fokusgruppe. Total, absolut.
SPEAKER_01Es gibt ja auch keine Regeln. Es gibt ja auch keine Regeln. Die eine Seite muss akzeptieren, wie es die andere Seite macht, und die andere Seite muss akzeptieren, wie es die eine Seite macht. Und man muss wieder sich im Kompromiss treffen. Ich finde, man muss nicht dogmatisch dagegen sein und sagen, das zerstört die deutsche Sprache, bla bla bla. Ja, es ist eine Veränderung. Sprache verändert sich aber andauernd. Aber genau, finde deinen Weg als Firma. Und das ist, glaube ich, ganz wichtig. Du hast deinen Weg damit gefunden. Es kann natürlich sein, dass du irgendwann mal eine Fokusgruppe hast und dann hast du eine Teilnehmerin, die sagt, ich mache nicht mit, weil du hast das, du redest nur von Männern.
SPEAKER_00Klar, kann sein.
SPEAKER_01Dann musst du das auch aushalten.
SPEAKER_00Ja.
SPEAKER_01Genauso wie wir Kundinnen haben, die sagen, ja, ich will doch nicht bei so einem linksgrün versifften Laden meine Farbe kaufen. Und dann müssen wir das auch aushalten. Aber vielleicht haben wir halt auch 15 Kundinnen, die sagen, ja, ich weiß nicht, wo ich mich im Geschlechterspektrum sehe und ich bin einfach froh, dass die Firma mich so nimmt, wie ich bin.
SPEAKER_00Aber würdest du jetzt, also würdest du jetzt, ihr habt nie die Regenbogenfahne eingesetzt. Gibt es ja welche, die haben ja ihre Logos eingefärbt. Da gibt es einen Fall oder Theorie.
SPEAKER_01Nein, in Deutschland und in Saudi-Arabien haben sie es da nicht gemacht.
SPEAKER_00Genau, online hat es mal dokumentiert, BMW Siemens War von Volkswagen, die haben das quasi gemacht. Und in Ländern, wo es kritisch ist, nicht gemacht. Ist doch keine Haltung. Das ist doch eigentlich, ich finde das ja ehrlich gesagt, eher erbärmlich. Weil eine Haltung wäre ja, wenn du sagst, da stehe ich dahinter, und zwar auch in diesen kritischen Ländern.
SPEAKER_01Ja, natürlich.
SPEAKER_00Man nennt das ja Regenbogenwashing, habe ich gelernt.
SPEAKER_01Pinkwashing, Regenbogenwashing, da gibt es so viele Begriffe für. Ja, das zeigt ja nur, was vor allem viele in der deutschen Wirtschaft, was das alles für Fältchen im Wind sind. Es ist ja so. Die Angst vor äußerlicher der Meinung von außen ist omnipräsent, alle haben Schiss.
SPEAKER_00Aber warum macht man es dann? Also ich will quasi als Firma ein politisches Statement abgeben, aber eigentlich traue ich mich nicht und deshalb gebe ich es nur dann ab, wenn ich 100% sicher bin, dass es keine Konsequenzen hat. Das ist doch kein politisches Statement.
SPEAKER_01Ja, vor allem wird es ja nicht gelebt dann. Also es ist ja dann nicht im Grundcor der Firma, ist es ja dann nicht verankert, dass es selbstverständlich ist, dass ich jeden Menschen als, egal als ob Kunde oder als Mitarbeiter integrieren möchte. Das heißt, jetzt, wenn du jetzt ein BMW nimmst, für die war das einfach nur ein Kalkül, um vermeintlich in einer Zeit, in der das sehr wichtig war, deutschen Kundinnen zu zeigen, ja, wir sind auch ein bisschen vogue und cool und gehen gerne auf den CSD und verkaufen halt gerne Autos, aber uns ist es auch wichtig, dass wir an der Autokratie unsere Autos verkaufen. So, ne? Also da geht es.
SPEAKER_00Es gibt eine Studie von UGAF, die haben die 2025 gemacht, Marken versus Bright oder Unbright, und da sagen in der Studie und 2000 Leute mitgemacht, das heißt nicht richtig. 44 befürworten Bright Solidarität von Unternehmen, 29 lehnen es ab, 27 ist es egal. Da würde ich sagen, die, die es befürworten, würden deshalb das Auto nicht vom BMW kaufen, sondern sagen, es passt schon. Die, die es negativ sehen, 30%, die würden dafür vielleicht kein Auto mehr kaufen. Also ist ja da, dieses politische Statement, eher nachteilig. Und die in Ländern, wo es nicht so gut ankommt und sie es nicht machen, die erfahren ja trotzdem, dass die Marke es in anderen Ländern schon macht. Also frage ich mich halt immer, warum tust du es? Warum wirfst du deine Marke in so ein riskantes Spiel rein?
SPEAKER_01Ja, vor allem gegen beide Seiten. Also, wie gesagt, dann lebe es doch als Firma und mach coole Events für deine Mitarbeiter und auch für deine LGBTQ-Mitarbeiter. Das interessiert nämlich außerhalb kein Mensch. Mach in deiner Werbung, ziehe alle irgendwie ein bisschen mit ein und fair enough. Aber ja, also ich, wie gesagt, ich bin ein großer Fan davon, solche Dinge, die einem persönlich und als Unternehmer und Unternehmerin wichtig sind, selbstverständlich in den Alltag zu übernehmen. Aber nichts gefake draufzusetzen.
SPEAKER_00Also, da wir schon ein bisschen eng in der Zeit sind, liebe Erik, was haben wir jetzt gelernt?
SPEAKER_01Ja, wir haben alles so krass angekratzt. Ich glaube, man müsste da noch viel Thema voll tiefer in die Diskussion gehen. Hauptlearning ist, glaube ich, es gibt keinen perfekten Weg. Meiner Meinung nach ist, wenn du eine Meinung hast, dann lebe nach dieser Meinung. Weil alles andere ist halt fake und das merkt auch eine Kundschaft. Also wenn du was nicht wirklich wirklich was mit Herzen liebst oder mit Herzen hinter was stehst, dann kriegst du es auch nicht kommunizieren.
SPEAKER_00Meine Meinung ist, Unternehmer, Manager, Inhaber, Menschen dürfen eine Meinung haben, dürfen nicht kommunizieren und müssen damit leben, was rauskommt. Meiner Meinung haben Unternehmen keine politische Meinung. Ich also ihr habt das gerade mal gesehen, 47 UCAF Studio ein Jahr später, 47% aller Konsumentinnen schreiben, zum Beispiel Bright Branding ist unglaubwürdig. Ich glaube, du tust dir A keinen Gefallen, B ist es nie konsequent, 3 unglaubwürdig und zum vierten tendenziell schadet es dir, ich würde es einfach nie machen. Die Firma ist eine Firma.
SPEAKER_01Ja, und ich glaube, ein sehr gutes Beispiel für zu viel Politik in einem Produkt sieht die Autoindustrie gerade. Weil die Autoindustrie hat am Weltmarkt vorbeigearbeitet, die Deutsche, und hat sich sehr stark auf politische Meinung gesetzt und kriegt halt jetzt dafür den Denkzettel, statt dass sie einfach mal wirklich geguckt hätten, was will der Kunde am Markt, statt was will eine vermeintlich konservative Politik in Deutschland. So, und das spüren wir jetzt. Da hätten sie mal lieber ein bisschen weniger Politik gemacht.
SPEAKER_00Vielen Dank, das war das perfekte Schlusswort. Wir freuen uns auch diesmal wieder über das Feedback, die Bewertung. Hör uns nächste Woche und bin gespannt, ob wir da noch eins draufsetzen müssen, je nachdem, was wir für Feedback kommen. Erik, ich wünsche dir einen schönen Tag noch.
SPEAKER_01Ich dir auch, bis dann. Ciao, ciao.
SPEAKER_00Ciao.