Kaufable - Der Podcast von Erik Reintjes und Johannes Altmann
Wie baut man Produkte, die Menschen wirklich kaufen? Erik Reintjes (Mitgründer MissPompadour) und Hannes Altmann (User Researcher, Gründer Shoplupe & pinops) diskutieren, was zwischen Produktidee und Umsatz passiert – und was dabei schiefgeht.
Es geht um Produkte, Marken, Preise, Absatzkanäle, Community und Konsumtrends. Erik bringt die Praxis des Markenmachers mit, Hannes die Perspektive aus tausenden Gesprächen mit echten Konsument:innen. Gemeinsam beantworten sie die Frage, die am Ende jeder Maßnahme steht: Wie mache ich damit Umsatz?
Ohne Schischi, ohne Buzzword-Bingo – dafür mit klaren Meinungen, echten Beispielen und dem festen Glauben: Kundenorientierung ist kein Poster an der Wand, sondern der einzige Weg zu Produkten, die sich verkaufen. Für alle, die in DACH Marken bauen, Produkte machen und verkaufen.
Kaufable - Der Podcast von Erik Reintjes und Johannes Altmann
Kaufable – Folge 1: Wie man Kunden heute mit WhatsApp erreichen kann
Use Left/Right to seek, Home/End to jump to start or end. Hold shift to jump forward or backward.
WhatsApp nutzen fast alle – in den Niederlanden 98 %, in Spanien 95 % der Bevölkerung –, aber kaum ein Händler nutzt es richtig. In dieser Folge sprechen Johannes und Erik darüber, warum WhatsApp der wohl am meisten unterschätzte Kanal in der Kundenkommunikation ist, und wie MissPompadour ihn seit acht Jahren zu echter Kundenbindung statt zu Werbe-Spam macht.
Der Kern: WhatsApp als Beziehungskanal, nicht als Werbeschleuder
Erik erklärt den Grundsatz hinter dem Erfolg: kein proaktives Zuspammen, sondern konsequent auf eingehende Anfragen setzen. WhatsApp dient bei MissPompadour vor allem der langfristigen Beratung – bis hin dazu, dass über eine Schnittstelle der Warenkorb für die Kundin vorbereitet wird (Plentymarkets in Verbindung mit Shopware). Die Zahlen zeigen, wie sehr Kundinnen den schriftlichen Dialog dem Telefon vorziehen: 350 bis 500 Gespräche starten täglich, über alle Kanäle sind es 1.500 bis 1.800. Die Chat-Kultur hat sich gedreht – schreiben ist effizienter und erzeugt weniger Druck als ein Anruf.
Und natürlich wieder viele Themen am Rande, die Hannes und Erik die Woche so erlebt haben.
Willkommen zum Caufable Podcast Folge 1, nachdem wir letzte Woche die 0 gemacht haben. Ich bin Johannes Altmann und telefoniere jetzt mit Erik Reintjes. Hallo Erik.
SPEAKER_01Guten Tag.
SPEAKER_02Schön, es geht weiter. Wir haben es ja versprochen, dass wir nicht mit der Folge 0 gleich enden. Wie geht's dir? Was treibst du?
SPEAKER_01Oh, mir geht es eigentlich ganz gut. Ich glaube, bevor ich reinspringe, will ich noch kurz erwähnen, dass das auch die erste Folge ist, die gesponsert ist von Shopware. Und da gibt es gleich noch weitere Infos zu im Werbeblog. Aber schon mal Danke raus an Shopware, dass ihr an uns glaubt und die sponsern die erste Staffel.
SPEAKER_02Vielen Dank auch. Das sind quasi schon die Vorschusslobiern.
SPEAKER_01Jetzt müssen wir auch liefern.
SPEAKER_02Jetzt müssen wir wirklich liefern. Was hast du denn vor die Woche? Was passiert?
SPEAKER_01Du, es ist knallhart, würde ich sagen. Sind wir ehrlich? Ne, Umsätze ziehen wieder an bei uns zumindest, was schon mal ganz gut ist. Polen hast du gepostet, läuft. Genau. Polen sind wir jetzt den ersten Monat und haben schon 100 Bestellungen. Da werden jetzt wahrscheinlich die ganzen E-Commerce-alten Hasen sagen, was? 100 Bestellungen? Aber ich denke mir, wie geil ist das denn? Ein Land, was uns nicht kennt, was unser Produkt nicht kennt. Nur Google Ads und so ein bisschen Meta jetzt in der dritten und vierten Woche und einfach schon 100 Kundinnen, die gute Warenkörbe bestellt haben. Also jetzt nicht nur 100 mal Farbkarten, sondern echt einfach auch Farbe bestellt. Finde ich krass. Also hätte ich nicht so erwartet. Alle anderen Länder haben viel länger gebraucht, bis so der erste Trust gekommen ist. Und das lässt mich hoffen, dass Polen sich sehr gut entwickelt. Na gut, mit 40 Millionen Einwohnern ja auch kein uninteressanter Markt und die lassen sich ja auch nicht ganz so deprimieren von der weltweiten Situation, sondern bauen irgendwie gerade so ihre eigene Insel. Bin ich mal gespannt, wie wir.
SPEAKER_02Polen ist das einzige EU-Land, die irgendwie so gute Stimmungen gerade machen.
SPEAKER_01Ja, das ist auch mit jedem, mit dem ich spreche, und alle, die sagen, ja, wir gehen jetzt nach Polen, wir testen das, E-Commerce offen, auch jetzt finanziell gut dargestellt. Also ich glaube, es gibt schon noch Unterschiede zwischen der polnischen Seite Richtung deutsche Grenze als zur russischen Grenze. Was jetzt auch die finanzielle Power angeht, aber nichtsdestotrotz, die haben Bock, die sind jung, die wollen leben, wohnen, es sich schön machen.
SPEAKER_02Sind die ein bisschen ein bisschen wie wir, oder was? Also hätte es sein können, dass man in Polen tapeziert und wenig streicht und oder was weiß ich was.
SPEAKER_01Es gibt schon Unterschiede. Also was total spannend ist, dass in Polen der Besitz an Immobilie weit höher ist als in Deutschland. Das heißt, auch die DIY-Affinität oder sich es immer wieder selber schön machen, ist sehr hoch, was schon mal sehr gut ist. In Deutschland bremst ja manchmal so ein bisschen dieses Mieterthema oder Vermieter-Mieter-Thema, wo man sagt: Ja gut, das ist jetzt nicht meine Wohnung, deshalb mache ich da auch nichts. Und die machen von Haus aus mehr. Was zum Beispiel auch ganz spannend ist, in Polen wurde gelernt, dass Wände erst grundiert werden müssen, bevor sie gestrichen werden. Das heißt, das Produkt Wand grundieren ist da super wichtig, sonst kauft keiner Farbe. Bei uns macht das kein Mensch, außer jetzt die totalen Profis. Aber das sind halt so diese Kleinigkeiten. Extremst viel Fliesenfläche. Das heißt, auch unser Thema Fliesenstreichen, super spannend. Also vielleicht im Gegensatz zu Frankreich, wo wir uns echt die Zähne ausbeißen. Also Frankreich ist so ein Scheiß, was E-Commerce angeht aus Deutschland. Sorry, dass ich es so direkt sagen muss, aber auch mit dem, mit denen ich unterhalte.
SPEAKER_02Ich glaube, es hat ein Million-Unternehmen gegeben aus Deutschland, was erfolgreich in Frankreich war, oder? Also wer. Ja, sagt es mir mal.
SPEAKER_01Ich weiß gar nicht, warum die so sauer sind. Also jetzt lassen wir die ganze Geschichte weg, aber warum die überhaupt so sich so unoffen für einfach Unternehmen, andere Unternehmen aus Europa. Ey, es ist Wahnsinn. Und auch wenn wir Kontakt mit den Kundinnen und Kunden haben, das ist immer negativ, es ist immer auf die Zehen, es ist immer aggressiv. Also macht echt gar keinen Spaß. Wahnsinn.
SPEAKER_02Also die Franzosen ist eigentlich ein total cooles Volk, aber die wollen halt. Total! Die haben mit uns einfach nichts vermutlich.
SPEAKER_01Kein Bock drauf. Also die sagen einfach, nee, französische Firmen und Deutschland haben wir keinen Bock drauf. Und ja, aber wir machen Umsatz, wir wachsen, gar keine Frage, aber ich hätte mir gedacht, als zweitgrößtes Land in Europa, dass das schneller geht und auch einfacher geht.
SPEAKER_02Ich hatte meinen Kunden, der Duschvorhänge verkauft und ich dachte mir, kein Mensch hat in Baden Duschvorhang. Und dann hat er auch erklärt, im Norddeutschland hat man mehr Duschvorhänge als in Bayern. Also ich hast du einen Duschvorhang irgendwo? Nee, wir haben so eine Glaswende. Ja, genau. Aber du beim Dusch festklebst, ist das so.
SPEAKER_01Ja, ist dasselbe Thema, dass ja Garagenstreichen für uns ein Riesenthema ist, aber in Holland gibt es einfach keine Garagentore. Wie? Es gibt viel weniger Stellplätze bei Häusern, die stehen mehr auf den Straßen und die, die am Haus parken, das sind meistens Cupards. Oder so, das heißt, das Konzept des Garagentors gibt es einfach nicht und deshalb ist dieses Projekt für uns nicht verkaufbar da. Total krass. Das ist echt krass. Genau, ja. Aber um natürlich auf deine Frage nochmal kurz einzugehen, wir bereiten uns nochmal auf die Hitzewelle vor, die nächste Woche kommt. Ansonsten haben wir den August ausgerufen, als den Monat jede Dose zählt, weil wir schon jetzt auch den Dip im Juni und Juli durch die WM. Also ich weiß gar nicht, vielleicht noch eine Sache, wo ich mich kurz aufregen muss. Warum feiern alle die WM so als Consumerzeit? Weil mit jedem, auch mit dem ich mich unterhalte, die Umsätze sind schlecht, keiner hat Bock auf die WM, außer du verkaufst vielleicht Gartenstühle und Griller. Ist es echt, also die WM war vorbei und der Umsatz ist bei uns angezogen.
SPEAKER_02Ja gut, die WM war jetzt, glaube ich, für uns der Worst Case. Also neben der Spielerisch, sondern auch zeittechnisch. Ich glaube, wir brauchen immer relativ lang, bis wir aus unserer Trauerstimmung in Deutschland irgendwie so ein bisschen Freude entwickeln. Bis wir endlich die Freude hatten und so die erste Deutschlandfahrne im Online-Shop bestellern, war es schon wie vorbei.
SPEAKER_01Also ich freue mich, also wir freuen uns wirklich nie auf die WM, aber gut, wir haben auch kein Produkt, was da reinpasst.
SPEAKER_02Ja, das passt wirklich nicht. Jetzt hast du ja ein Projekt und in der Zeit hat man keine Zeit für Projekte.
SPEAKER_01Wie schaut es bei dir aus? Was macht Pinups?
SPEAKER_02Ich habe gerade zusammengesammelt, es gibt vier große Studien international, wo es um synthetische Probanden geht, finde ich total spannend. Ich verstehe kein Wort. Der ermittelt, wie weit du Marktforschung quasi mit der KI machen kannst. Ah, okay. Und wie valide das ist. Und es war schon sehr krass, wo die sagen, ja, also da kann man es jetzt bei uns dann irgendwann runterladen, oder jetzt, glaube ich, schon, dass es quasi die KI nur einen Menschen entwickelt. Der Durchschnittsmensch, der ist tendenziell europäisch-amerikanisch, der ist tendenziell ein Mann und tendenziell weiß. Und wenn du sagst, ich hätte gern, ich würde gern wissen, wie streicht die Hamburger Hausfrau ihre Küche, dann würde man diesen Durchschnitts Globalbürger nehmen und sagen, was ist, wenn ich den ein bisschen Richtung Hamburg und Hausfrau schiebe, aber der generiert dann keine neue Persona. Und das ist eigentlich total, also ein bisschen fancy, was da in dieser Studie steht, aber irgendwie total verrückt. Ja, warum machen wir das? Weil ich halt, ich will halt, dass wir mit echten Menschen sprechen. Also Menschen erzählen ja auch so gern. Und irgendwie will man den mit KI von sich weichen lassen und dann halt erzählen, dass man kundenorientiert ist, aber genau. Und mich interessiert es halt den echten Menschen. Und da war jetzt eben, wann nehme ich synthetische Probanden und wann macht es keinen Sinn mehr? Deshalb interessiert dann, ja.
SPEAKER_01Darf ich eine Zwischenfrage stellen? Wenn ich das jetzt buchen würde mit einem KI-Probanden, der ja, wie man gerade gehört hat, 98% der Weltbevölkerung einfach ignoriert, weil das sind, glaube ich, gar nicht so viele mittelalte weiße Männer auf der Welt. Warum hätte ich da als Firma einen Vorteil, als wenn ich wirklich halt Menschen geben würde, weil Geschwindigkeit und Geld?
SPEAKER_02Ja, es ist, genau. Ende, das ist es. Geschwindigkeit und Geld. Und wenn du Geschwindigkeit und Geld rausklammerst, dann kannst du halt ständig fragen, was ist es? Und dann kriegst du halt immer die Durchschnittsantwort.
SPEAKER_01Aber du bist kein Fan von oder bist du Fan von?
SPEAKER_02Nee, ich bin kein Fan, weil du machst ja Marktforschung nicht wegen der Durchschnittsantwort, sondern wegen nach links und rechts und diesen Besonderheit, dass du da halt dein USB-Schärfst oder dein Business rausziehst. Naja, eigentlich ist die Rede vor sich wert, aber trotzdem ist es eigentlich ein Riesenthema und deshalb haben wir diese Studien interessiert, das haben wir jetzt einmal zusammengefasst. Sehr cool. Dann habe ich vorhin mit dem Hersteller telefoniert, da kam ein super cooles Thema auf, das war aber ein gutes Wort eigentlich. Und der hat erzählt, ja, was sie quält, ist, wie entsteht die Wunschbildung. Und ich habe mir gesagt, was ist denn die Wunschbildung? Aber Fakt ist es ja, das passt super in unserem Podcast, weil Wunschbildung heißt ja, du wünschst dir was und dann kaufst du es. Wir nennen das, glaube ich, immer so ganz trivial halt Inspiration, du musst inspirieren und du musst Inspirationswelten bauen. Aber das ist ja auch nur das Tool, was das Thema lösen soll, weil das Thema ist ja wirklich die Wunschbildung. Wann wünsche ich mir Dinge? Und darüber nachzudenken, und das ist jetzt quasi mein Auftrag in dem Segment, finde ich total spannend.
SPEAKER_01Ich finde das jetzt als Mensch super spannend, weil ich selber merke, wie oft ich in diese, also Falle ist das falsche Wort, aber wie oft ich merke, dass sich bei mir ein Wunsch bildet und dann will ich ja den Konsum vollziehen. Ich habe ja schon öfters mal gesagt, dass das Uhrenthema bei mir ganz groß ist und manchmal ist es wirklich so, dass ich selber merke, ich interessiere mich ein halbes Jahr gar nicht dafür. Und dann kommt das aber mit so einem Schwung, dass ich auf einmal den Wunsch verspüre oder so, dass wie du es gerade gesagt hast, ich will irgendwas Neues haben.
SPEAKER_02Er ist ein bisschen ein größeres Thema als eine Inspirationswelt, oder? Du gehst ja ziemlich zu Wempe, surft da rum und sagst, die Rolex hätte gern, sondern es dauert ja unendlich lang, möglicherweise.
SPEAKER_01Ja, wir haben so, ich bin auch in so einem, oh mein Gott, jedes Klischee, aber egal, ich bin ehrlich, ich bin auch in einem Club, in einem Uhrenverein. Grüße gehen raus an Red Bar, ist eigentlich ganz cool. Das ist Verein, dann gibt es auf der ganzen Welt. Und da treffen wir uns einmal im Monat und quatschen über die unnötigste Sache der Welt. Aber da haben wir einen Begriff, der heißt Uhrenhunger. Und das ist sozusagen immer, wenn man denkt, eigentlich braucht man nichts mehr, dann kommt es doch wieder um die Ecke. Und ich finde, Uhrenfirmen haben das sehr gute gekriegt, aber das kannst du ja den ganzen Konsumbereich nehmen. Also dass man irgendwann immer diesen Wunsch hat, was zu kaufen. Und dieser Wunsch oder dieser Drang ist ja extrem stark, weil du hast im Vorgespräch auch kurz gesagt, du kaufst ganz gerne schöne Dinge und vor allem dann auch die guten. Und da wäre es schon spannend zu wissen, wo das eigentlich herkommt, dass wir damit unsere Endorphine füttern sozusagen.
SPEAKER_02Und also in dem Fall ging es ja um Kinderprodukte. Und das ist ja, also ich finde ja nochmal doppelt spannend, weil du musst ja um eine Zielgruppe überspringen. Also das Kind hat einen Wunsch, aber die Eltern müssen ihn ablesen, die müssen kaufen und exekutieren. Und dann haben wir kurz abgewichen und gesagt, witzigerweise ist ja Lego sehr gut gelungen, Wünsche zu generieren über alle Zielgruppen und Playmobil gar nicht. Also wer das Thema Wunschbildung nicht beherrscht, der hat ein echtes Problem.
SPEAKER_01Ja, bin ich bei dir.
SPEAKER_02Naja, also das hat mich auf jeden Fall beschäftigt. Dann kam ich wieder zu den Inspirationszeiten. Das hat mir ja schon die letzten Monate beschäftigt, weil er einen Vortrag hat, ja in so einer Möbelkongress, wo sind die Inspirationszeiten, ihr könnt ja alle eigentlich in der Pfeife rauchen, weil das machen Menschen ganz anders. Dann bin ich zu einem Problem gekommen, was mich die ganze Zeit beschäftigt, dass mir eine E-Mails keiner mehr liest. Also ich schreibe eine E-Mail eins zu eins an jemanden, da kriegst du ja keine Antwort mehr. Und bei Newsletter, ich weiß nicht, ich finde der Newsletter funktioniert sowieso per se, gefühlt gar nicht mehr. Wie läuft es denn bei euch mit Newsletter?
SPEAKER_01Du, Umsatz macht er. Was wir schon merken, ist, dass die Leute pickiger werden, um sich dafür anzumelden. Also man muss schon, also wir machen auch nicht dieses Geschieß, was natürlich viele machen mit, du kriegst sofort 10% Rabatt, wenn du dich für Newsletter anmeldest. Und vielleicht, was bei uns auch nochmal ein bisschen anders ist, ist, dass wir ja diesen unseren Pomp Club haben, also unser eigenes Referral-System, wo wir ja Newsletter, App, WhatsApp und alles in einem haben. Das heißt, du meldest dich bei uns eigentlich komplett in der Blase mit Pompadour an und nicht nur für den Newsletter.
SPEAKER_02Ja, okay. Bisschen besser.
SPEAKER_01Aber genau, aber für Retention und also wer jetzt nicht weiß, was Retention ist, also wiederkehrende Käufe sozusagen oder Verkäufe, ist es immer noch relevant, gar keine Frage. Also wir machen immer am Anfang des Monats, wenn die Gehälter auf dem Konten sind, machen wir immer eine große Kampagne und da machen wir super Umsätze. Also, aber.
SPEAKER_02Was koppelst du an die Gehälter der Menschen?
SPEAKER_01Wirklich bewusst? Na klar. Die kriegen alle am 29. bis zum, weiß ich nicht, dritten Jahr Gehalt. Und dann ist die Konsumlaune am größten und dann wird sowas reingepusht.
SPEAKER_02Gibt es da eine Studie dazu? Ist es wirklich so? Wenn das Konto am Anfang voll ist, hat man mehr Freude als später. Das müsste ich jetzt eigentlich wissen, ich weiß es aber nicht.
SPEAKER_01Ich würde sagen, meine Studie ist einfach meine Umsatzkurven seit fünf Jahren, dass ich weiß, wann immer der größte Peak ist. Aber das kennt man ja selber. Gehalt kommt aufs Konto, dann kaufst du halt doch mal schnell den Laufschuh und ab dem 18. kaufst du vielleicht nicht mehr. Außer du hast dir, man hat so viel Geld, dass es egal ist.
SPEAKER_02Also wenn ich mich erinnere, wie es bei mir früher war, Gehalt kommt aufs Konto und dann warst du wieder per Null.
SPEAKER_01Dispo weg.
SPEAKER_02Wieder per null und der Monat ging los. Naja, also mit E-Mail und Newsletter bin ich irgendwie ein bisschen auf Kriegsfust. Und dann kam ich zum Thema WhatsApp, weil ich bin in verschiedenen WhatsApp-Gruppen, du wahrscheinlich auch, selten in Kindergruppen, weil es immer super anstrengend ist, aber da habe ich mal recherchiert. Rund 50 Millionen Menschen in Deutschland haben WhatsApp und nutzen das. Es ist 80% der Bevölkerung, über 14. Wir sind 98% aller Niederländer haben WhatsApp, 95% aller Spanier, 94% aller Dänen. In Deutschland sind es neu, 70 Prozent so gesehen. Wird täglich genutzt, 80% einmal pro Woche. Also es gibt ja nichts, was mehr an dir klebt als WhatsApp. Dafür ist es, finde ich, total underrated. Also du nutzt es halt irgendwie zum Kommunizieren, aber es ist ja eigentlich ein Mega Tool.
SPEAKER_01Ja, kann ich jetzt schlecht was zu sagen, weil, also zu underrated, weil wir nutzen es seit acht Jahren und unsere Firma gibt es seit sieben. Das ist ja wirklich das allererste, was wir damals gemacht haben, war ja meine Schwester noch Astrid, ihre private Handynummer rauszugeben, damit Kundinnen ihr vorher-nache Bilder schicken können, ob das Projekt funktioniert hat. Und Tag 1, als dann wirklich auch die GmbH stand, war es halt ein Firmenhandy, wo ich die ersten zwei Jahre, sieben Tage die Woche mit Seenscheidenentzündung am Daumen, weil es noch keine APIs gab, beraten habe. Bis wir dann auch die erste Kundenberaterin hatten. Und dann waren wir das zweite Unternehmen in Deutschland, was überhaupt, also überhaupt, welches WhatsApp-Business angefangen hat. Da sind dann sogar drei So-Dudes aus Kalifornien zu uns nach Regensburg gekommen in unsere kleine Brumsbude. Da hatten wir irgendwie noch, weiß ich nicht, irgendwie 15.000 Euro im Monatsumsatz oder sowas. Aber wir waren halt das zweite Unternehmen überhaupt. Und die haben sich von uns erstmal erklären lassen, was man mit WhatsApp eigentlich noch machen kann. Und zwar verkaufen. Und da kommt jetzt, glaube ich, die Differenzierung zu, du hast jetzt den Einstieg über den Newsletter gemacht. Das ist was, was wir nicht machen. Weil wir für uns entschieden haben, wir wollen nämlich genau nicht auf diesem Kanal denselben Fehler machen wie in der Mail, dass wir die Leute zuspammen. Weil WhatsApp ist was total Privates. Also du hast gesagt, du hast die Gruppen, du hast die Kindergruppen, du hast deine Familie und dann bist du als Unternehmen da mit drin. Und das ist ja das Geile, weil wir als Miss Pompadur sind immer zwischen der Mutter und der besten Freundin im Handy bei unserer Kundin. Ja, ja, ja. Also näher geht nicht. Genau, aber nur wenn sie uns lässt. Und das bedeutet, die Kundin schreibt uns zuerst an. Also entweder über die Webseite oder über die App oder also halt dann über unsere WhatsApp-Nummer. Und dann sind wir mit ihr im Kontakt, aber wir würden nie proaktiv ihre Nummer speichern und ihr dann aktiv Nachrichten schicken. Dafür haben wir einen WhatsApp-Channel, da kann sie reinkommen, dann kriegt sie da Werbung von uns. Aber alles andere ist nur Beratung.
SPEAKER_02Ah, okay. Also ich habe einen einzigen Shop, wo ich WhatsApp-Newsletter oder was eigentlich kriege. Der schickt es auch sehr, sehr, sehr dosiert, maximal einmal im Monat. Trotzdem lösche ich es da immer, ich finde es dann doch. Es ist gar nicht so aufdringlich, aber irgendwie dann doch zur falschen Zeit. Also das macht ihr gar nicht.
SPEAKER_01Nee, wir haben uns total dagegen entschieden, weil wir sagen, für uns ist WhatsApp noch eine Nummer wichtiger, als ich haue mal schnell 20%-Gutschein raus. Sondern für uns ist es der Kanal, wo wir mit der Kundin wirklich eine Verbindung aufbauen. Und wir haben Kundinnen, mit denen haben wir seit vier, fünf Jahren Konversationen. Die schicken uns immer wieder Bilder, die schicken uns Videos, wir machen Sprachcalls darüber, die fragen auch mal zwischendurch was. Dann vor vier Jahren haben sie irgendwie das Jugendzimmer gestrichen, jetzt vier Jahre später zieht das Kind aus und geht zum Studieren, dann wird das Zimmer neu gestrichen. Und das passiert aber alles in dieser WhatsApp-Kommunikation. Wie wir es dann zum Sale bringen am Ende ist, entweder beraten wir die Kundin halt so gut, dass sie dann kauft, weil sie so glücklich ist, und wir können mit einer selbst gebauten Schnittstelle ihr den Warnkorb schon vorher fertig machen. Das heißt, im Gespräch mit ihr sagen wir, okay, schau, du brauchst das und das Produkt, nimm den und den Farbton, die und die Menge würden wir dir empfehlen. Das hauen wir dir bei Plenty Markets, machen wir das, in Verbindung mit Shopware. Packen wir das sozusagen in einen fertigen Warnkorb, schicken ihr den Link zu, sie muss nur noch draufklicken, Bezahlmodalitäten eingeben und kann kaufen. Das ist das Einzige, wo wir dann proaktiv in einen Verkaufsprozess gehen. Alles andere ist für uns wirklich nur Kommunikation. Und um auch mal eine Zahl zu nennen, wir haben am Tag ungefähr, das kommt immer je nach Saisonalität an, 350 bis 500 startende Konversationen über WhatsApp.
SPEAKER_02Ich kann jetzt gar nicht einschätzen, ist das wie viel.
SPEAKER_01Na, das wäre, als wären halt 350 bis 500 Personen würden in deinen Laden kommen und sagen, hallo, ich möchte gerne was kaufen. Das ist schon krass, aber wir rufen jetzt an. Das sind ein Ticken weniger, weil keiner mehr Bock hat zu telefonieren.
SPEAKER_02Ah, ist schon so.
SPEAKER_01Und die Gespräche sind halt auch länger, weil die Kundin schreibt zum Beispiel morgens, ich möchte irgendwie meine Küche streichen, dann muss sie ihr Kind in die Kita bringen, in die Arbeit oder einkaufen oder Männer genauso, ich spreche auch von Kundin, weil 90 Prozent unserer Kundin weiblich sind. Bitte nicht in den falschen Hals kriegen. So, und dann, wenn sie nachmittags wieder Zeit haben, dann antworten sie darauf, was wir geantwortet haben. So, und dann kann es wieder sein, dass sie bis zum nächsten Tag wieder an was anderes macht und dann erst wieder antwortet und dann kauft. Also es ist nicht so wie beim Telefon, wo du diesen Druck hast. Du rufst an, man berät, du musst und dann legt die Person auf, hat sich die Hälfte schon nicht mehr gemerkt und hat jetzt eigentlich keine Zeit zu bestellen, also voll im Eimer. E-Mails sind es, also wir haben so im Schnitt am Tag ungefähr 1500 bis 1800 startende Konversationen über alle Kanäle. Also schon eine Menge für so ein Nischenthema wie bei uns jetzt.
SPEAKER_02Und also wir haben ja im Research ganz oft das Thema Chat diskutiert mit. Teilnehmenden der Fokusgruppen und ist Chat gut oder schlecht und so. Und ich finde, es hat sich über die Zeit total entwickelt, dass früher Chat nichts war. Jetzt finden sie es alle total gut, weil halt sehr effizient, wie du sagst, ist irgendwie besser als ein Telefonat. Dann haben wir letztens hatten wir einen Auftrag, da haben wir auch nochmal diskutiert, wie reagierst du auf den Chatboard, ist es gut oder nicht? Aber eigentlich ist ja WhatsApp nochmal im Tacken besser als Chat, weil Chat der endet ja auch wieder Telefonat, oder? Irgendwann machst du den zu und dann ist er halt vorbei. Und ich finde, du kriegst selten E-Mail danach.
SPEAKER_01Absolut. Jetzt kannst du natürlich sagen, wer löscht wirklich aktiv ein WhatsApp-Gesprächsfenster? Also das meistens, wenn du mal deine Liste runtergehst. Das heißt, so vorbei ist das natürlich nicht. Aber wir dürfen halt auch nicht proaktiv zurückschreiben, weil halt der Double-Opt-in ist halt immer.
SPEAKER_02Das heißt, du kannst zwei Tage später sagen, liebe Content, was ist denn jetzt eigentlich los?
SPEAKER_01Doch, das könnten wir schon, aber das ist halt auch ein Riesenaufwand. Das müsste man wahrscheinlich automatisieren, dann müsste man die Schnittstelle haben zum Warenkorb, ist der Warenkorb abgebrochen. Aber da haben wir halt wieder das Thema, dass Meta natürlich seinen Teil selber haben will und jetzt gar nicht so diese ganzen Verknüpfungsmöglichkeiten so extrem sind, wie wenn ich jetzt ein Clavio mit einem Shopware verbinde. Die haben zwar dann auch APIs für WhatsApp, aber das ist immer alles super stiefmütterlich. Und da geht es wirklich meistens auch um den Chat. Und wie gesagt, aber das ist nur unsere Entscheidung. Ich glaube für andere, also man liest es ja auch immer wieder ganz, ganz, dass welche Riesenumsätze über WhatsApp-Newsletter machen und so weiter.
SPEAKER_02Die lesen aber jetzt auch, ich finde es krass eigentlich.
SPEAKER_01Genau, finde ich super, aber uns oder mir persönlich jetzt auch in der Verantwortung für die Sales ist die langfristige Kundenbindung wichtiger und diese Freundschaft zwischen Marke und Kundin als der schnelle Sale über den Newsletter. Kann naiv sein, kann aber auch richtig sein. Das wird die Zeit zeigen.
SPEAKER_02Aber es wirkt jetzt ein bisschen gebastelt, aber da gibt es doch da gibt es doch Softwarelösungen komplett dafür, oder? Wir brauchen jetzt kein Werbespot einspielen, aber apropos müssen wir noch mal.
SPEAKER_01Apropos, komm, wenn wir beim Thema Software sind, dann machen wir es jetzt. Also, wir starten in die Werbung.
SPEAKER_02Shopware ist die führende Open Source E-Commerce Plattform für die komplexen Anführungsmoderner B2B-Unternehmen und wird weltweit von rund 55.000 Händlern genutzt. Intelligentes Betriebssystem for the digital handle verbindet Shopware an offenen Kern and a API-First Architectural with support answers and functions. So let's see self-free up. Dabei behind Händler the full control over their data, their technological infrastructure and your before, obviously, pass or self-hosted. This offense the freiheit for innovation schnell, sicher and skalier umzusetzen. Gleichzeitig is Shopware consequent of Agenda ECOMAS vorbereitet. This verbinding of B2B Kompetenz, Offenheit und Agenda Readiness macht Shopware zur zukunftsfähigen Plattform für den modernen Handel. Weißt du, wie oft ihr das eingesprochen habt? Ich glaube, 100%.
SPEAKER_01Also es war natürlich ein sehr generischer Text. Nichtsdestotrotz kann auch ich sagen, nach über viereinhalb Jahren Shopware-User, ich kann es empfehlen.
SPEAKER_02Und ich kann sagen, im zweiten Jahr Shopware Circle sollte sich jeder anmelden, der Bock auf Shopware hat. Wir machen ja einmal im Quartal in einer deutschen Großstadt ein Event und es ist immer extrem gut. Austausch unter Shop-Betreibern. Also Shopware verschickt ja das WhatsApp nicht. Mit was verschickt ihr das oder musst du das selber basteln?
SPEAKER_01Nee, also wir arbeiten mit einem System, es gibt ja nicht so viele, aber ich kann ja auch den Namen nennen, Chat Armin. Das ist sozusagen unsere API und dann haben wir noch ein weiteres System, das heißt Dixa. Das ist eine dänische Customer Care Software. Warum Dänisch? Kein kleinen Schwank erzählen. Mitarbeiter hat uns, äh Mitarbeiter, Mitbewerber hat uns mal angezeigt, wegen unserem Cookie Banner. Und da unsere Firma ja in Bayern sitzt, weiß man, das bayerische Datenschutzministerium hatte mal eine sehr aggressive Phase. Und in dem Zuge haben wir damals wirklich unsere komplette IT-Struktur und Technikstruktur nur auf europäische Unternehmen ausgelegt, deshalb auch kein Shopify und deshalb auch Dixa und nicht die amerikanischen Systeme, wie sie auch immer heißen. Nichtsdestotrotz total zufrieden mit den Systemen, aber da haben wir Schnittstellen. Das heißt, die ganze Customer Care wird über Dixer abgefrühstückt und daraus schicken wir auch dann ÜberChat Armin an die WhatsApps zurück. Das heißt, wenn eine Kundin uns anschreibt, wird das ÜberChat-Armin bei uns in Dixa der Kundenberaterin zugeworfen und dann können wir darauf antworten. Das ist schon alles.
SPEAKER_02Das klingt gar nicht mehr so trivial eigentlich. Ich dachte, es ist simpeler.
SPEAKER_01Wer trivial ist, nimm dir eine Handynummer und lass dich darauf anschreiben.
SPEAKER_02Ja, aber jetzt gerade sagen, so habt ihr halt angefangen. Dann sitzt halt da mit dem Handy, ist auch machbar, gell.
SPEAKER_01Genau, also das ist immer die Frage, wie groß der Aufwand sein soll. Was ich halt nur sagen kann aus meiner Erfahrung, ist, mal zwei Stunden am Tag bringt halt nichts. Also wenn dann muss man es ernst nehmen und dann muss man auch wirklich 24-7 erreichbar sein oder zumindest nach dem deutschen Arbeitsgesetz erreichbar sein.
SPEAKER_02Hast du irgendwas, also irgendwie hat es mir letztens gesagt, aber ich hab's vergessen. Dass WhatsApp in Deutschland relativ doof ist und in anderen Ländern eigentlich viel mehr kann. Also, was machen die denn sonst oder kommt da noch mehr oder kommt da bei uns nichts?
SPEAKER_01Ich glaube, das ist auch datenschutzgetrieben. Also ich glaube, so diese ganzen intelligenten Dinge, wo es halt darum geht, mit den Kundendaten zu arbeiten und dann auch diese dann zu übertragen in ein Shop-System und so weiter. Da kommen halt immer an DSVGO-Problematiken. Schade, echt. Und ja, ja, ich denke auch immer, man muss damit arbeiten, was man hat. Vielleicht ist es manchmal auch ganz gut, wenn nicht immer alles miteinander verzahnt ist. Also.
SPEAKER_02Ja, ja, das stimmt. Macht es in der Regel auch nicht einfacher, alles.
SPEAKER_01Genau.
SPEAKER_02Sobald du hast mir heute früh noch ein Thema rübergeworfen. Ich konnte damit gar nichts anfangen, weil ich habe es nicht verfolgt. Was? Unabhängig von WhatsApp, P und C will Läden an Zara abgeben. Das hat dich offensichtlich gefesselt, oder was?
SPEAKER_01Naja, ich glaube, es waren sogar zwei Meldungen. Also auf der einen Seite P und C, die ja nicht nur Läden an Sarah abgeben oder an Indie-Techs, sondern das sind ja, glaube ich, deren drei Flagship-Stores. Also die Läden in den großen deutschen Städten. Und dann werden ja auch von Galeria nochmal 30 oder 33 Läden gerade bewertet, politisch nett ausgedrückt, da stand es irgendwie da.
SPEAKER_02Galeria ist ja nicht mehr interessant eigentlich, oder? Weil das ist, also irgendwann.
SPEAKER_01Lass den Laden sterben. Ich glaube, das ist vorbei. Aber ich finde schon, dass wenn der, ich sag mal, ich kann es jetzt nicht mit Zahlen bewerten, ist, ist P und C der größte, die größte deutsche Modehandelskette oder ist Bräuninger größer? Ist ja auch egal. Aber wenn zumindest einer der Top 3 seine absoluten Megastores in den Läden ziehen lässt, lässt mich das schon nachdenken, was ist dann noch der Einzelhandel, was ist der Handel in der Stadt. Ja, aber zum Beispiel. Was machen die falsch, was machen die richtig? Also sie können ja doch nicht so viel richtig machen, sonst würden sie das ja nicht tun.
SPEAKER_02Ich finde zum Beispiel, dass die keinen Kontakt zum Kunden einfach haben. Also du machst halt eine Ladentür auf um eine gewisse Uhrzeit und irgendwann machst du sie zu und wartest halt, bis da Menschen kommen oder halt eben nicht kommen. Das ist doch eigentlich total krass.
SPEAKER_01Aber macht eben die Texte das anders?
SPEAKER_02Ja, du gibt es halt vielleicht nochmal eine andere Begehrlichkeit zu der Marke und die verschaffen ja wieder diesen Kaufwunsch. Oder? Dann ist doch die App drauf und dann die ganze Kommunikation drauf und dann steuerst du da rein. Aber so ein P und C, warum gehe ich denn da rein? Also weil er da ist, dann latsche ich vorbei und sage, ach, schaue ich mal rein. Dann versuchen die im ersten, im Erdgeschossen irgendwas mir ein hilfiger Polo-Shirt mit 30% Rabatt mitzudrücken. Und dann schrumpft die Begehrlichkeit ja schon wieder. Ich fand es auch, ehrlich gesagt, in der Corona-Zeit damals war auch das Hauptproblem nicht, dass die Läden geschlossen haben, sondern dass, dass die geschlossene Tür der Händler keinen Kontakt mehr zu seinen Kunden hatte, weil er festgestellt hat, ich habe eigentlich gar keine E-Mail-Adressen von meinen Kunden und WhatsApp habe ich auch nicht und nix. Und das hat sich nicht geändert.
SPEAKER_01Das Lustige ist, die setzen ja alle immer noch auf diese Kundenkarten, also diese Papierkarten. Ja. Machen ja immer noch nichts Relevantes. Richtig. Da übrigens, um auch mal das Thema zurückzukommen, WhatsApp von der Fläche, Hammer-Thema. Also das ist zum Beispiel was, was ich auch nie wirklich verstanden habe, dass da nicht jeder Berater mit einem Handy auf der Fläche rumläuft, über die Shops sozusagen auf die Handys die Konversation draufgespielt werden und der Berater durch den Laden läuft, Fotos macht, sagt, das und das haben wir. Also eins meiner Themen zum Beispiel. Ich wollte mir jetzt von Adidas einen neuen Laufschuh kaufen, hatte aber keinen Bock, ihn online zu bestellen, weil ich kenne das Modell und will es einfach nur heute haben, um heute Nachmittag laufen zu gehen. So, dann habe ich den Laden XY. Also hier bei mir ist ein Intersport im Einkaufszentrum. Ich habe keine Ahnung, was der auf Lager hat.
SPEAKER_02Aber Intersport in Österreich ist das schon ziemlich cool eigentlich. Also A sind die Läden cooler und B sind doch die, du kannst deinen Lagerbestand abrufen, dachte ich.
SPEAKER_01Ja, aber es wäre doch viel geiler, wenn ich einfach schnell eine WhatsApp reinschicke und mir Stefan von der Fläche schreibt, ja, 45,5 habe ich auf Lager, tue ich dir zur Seite. 45,5 hat auf jeden Fall auf Lager. Ja, aber das ist und das ist ja eigentlich, wenn du sagst, dass sie machen ja keine Beratung mehr in so ein P und C. Also du gehst da ja nicht rein, weil du extremst gut beraten werden willst, sondern du hoffst, dass du irgendwie schnell drei Chino-Hosen kriegst und vielleicht einen Polari Floren-Pullover und so weiter. Aber wenn ich da reingehe und die Sachen nicht finde und nicht weiß, ob sie meine Größe haben und so weiter, das wäre doch schon mal was, wo ich einfach einen super Kundenservice machen könnte, weil ich schreibe halt vorher und sage, du habt dir den Polorei-Fluoren-Pull in Elder, ich wäre gegen 16 Uhr in der Stadt, kann ich den abholen? Und dann kommt die Antwort, ja, habe ich noch da und ich habe auch noch drei, zwei andere Sachen, die könnte ich dir noch zeigen. Wir sehen uns später.
SPEAKER_02Aber diese Projekte, die gibt es halt, glaube ich, schon ganz lang, dass man sagt, was mache ich mit Mitarbeitern im Stationärhandel, wenn keiner im Laden ist? Dann könnte ich mich noch beschäftigen mit irgendwas anderem. Das haben die aber irgendwie nie durchbekommen. Der Mitarbeiter, wenn nichts zu tun hat im Stationärhandel, dann tut er halt auch. Nichts. Nee, darf man nicht sagen. Da macht er wahrscheinlich irgendwie andere Dinge, dass der Laden halbwegs vernünftig aussieht und bringt Produkte wieder zurück, da wo sie herkamen.
SPEAKER_01Ja, aber da wäre es wahrscheinlich wichtiger, die Projekte so umzusetzen, die halt Umsatz generieren, damit ich halt weiter auf der Fläche bestehen kann.
SPEAKER_02Ja.
SPEAKER_01Also, und da fehlt mir oft die Innovation, beziehungsweise wieder die Kundenzentriertheit zu sagen, warum stehe ich hier im PC? Ein viel zu teures Lager mit extremen Quadratmeterpreisen in der Münchner Innenstadt, nee, macht ja keinen Sinn. Also ich muss ja eigentlich hier sein, weil ich meinen Kundinnen und Kunden die perfekten Produkte bieten will. Da kann man schon mal diskutieren, haben die halt Ware, die wirklich nicht austauschbar ist? Nein, weil das ist ja, kannst du ja bei Zalando genauso auch bestellen oder woanders auch kaufen. Aber dann ist die, und ich glaube zum Beispiel in Bräuninger und so, die machen das schon spannender und mutiger, die sind schon näher an der Kundin oder an May Theresa. Aber da, wie gesagt, die laufen da rum, die sind unterwegs, die haben die Handys in ihrer Hosentasche, dann lass sie doch auch außerhalb der Fläche beraten. Also würde ich glaube ich, könnte man einen ganz großen Push geben und den Leuten auch das Gefühl, dass sie einen weiteren Vorteil haben, statt online zu bestellen oder auf gut Glück in die Stadt zu fahren.
SPEAKER_02Also ich habe es ja mit den Läden aufgegeben. Ich glaube, das funktioniert einfach nicht mehr. Also egal, ob sie es machen würde oder nicht. Ich war nämlich auch, ich wollte auch Laufschuhe, war eh schon in München, dann bin ich am Stachhaus in den Galeria, ist ja, glaube ich, auch im Galeria. Sportabteilung ist da irgendwie im vierten Stock. Dann kommst du ja mit den Rolltreppen relativ effizient in den vierten Stock und du kommst da, das ist ja die Hölle, wieder aus dem Laden rauszukommen. Weil, das haben wir ja vor 30 Jahren schon gelernt, ja, Wegeführung in einem Kaufhaus, und dann führst du den dahin und dahin und die Runtertreppe findest du nicht. Im Zweifel geht die Rolltreppe rauf, aber du musst runter. Und es nervt mich total, weil ich sage, jedes Stockwerk, wo ich rauffahre, ist eine Qual, später wieder rauszukommen. Und das ist nicht mehr zeitgemäß. Du in deinem Onlineshop schaust du, wie alles möglichst effizient und schlank funktioniert und du da den Kunden schnell durchschleust und die im Kaufwasser sagen, was könnte ich machen, dass der nicht mehr rausfindet? Das ist doch einfach so ein Scheißkonzept.
SPEAKER_01Ja, anscheinend ein totes Konzept, das wird noch ein bisschen dran gehalten. Jetzt POC lässt jetzt auch los. Jetzt ist so die große Frage, was passiert halt dann in den Innenstädten? Also das ist, glaube ich, schon nochmal auch interessant. Wobei, ja, irgendwelche Finding-Leute finden immer neue Konzepte.
SPEAKER_02Naja, zu mir hat mir einer gesagt, wo steht eigentlich, dass die Innenstadt aus Shopping besteht? Also kann man nicht in der Innenstadt andere Dinge machen, außer shoppen?
SPEAKER_01100 Prozent. Wohnen, Handwerker, Gastronomie. Also du könntest auch einfach wieder in der Innenstadt wohnen. Wäre auch nicht schlecht. Also warum muss eine Innenstadt eigentlich ein Shoppingcenter sein? Sondern man kann ja auch sagen.
SPEAKER_02Es spricht alles dagegen. Du kannst dich parken, also musst du deine Tüten schleppen. Es ist voll anstrengend. Es ist ja viel leichter, wenn du außerhalb in den Mall fährst. Wobei die gibt es ja auch nicht mehr.
SPEAKER_01Naja, wir werden den deutschen Einzelhandel nicht so schnell retten, aber ich fand zumindest die Nachricht schon dahin spannend, dass es schon ganz klarer, ich glaube, ein ganz klarer Schritt ist zu sagen, okay, wir geben auf. So, und wenn das natürlich einer der großen Handelsriesen macht in Deutschland, bin ich einfach gespannt, wer dann, was dann als nächstes passiert.
SPEAKER_02Naja, also ich glaube, final, also mein Abschlusswort, das haben wir gelernt heute, würde ich sagen, es hängt alles an der Erreichbarkeit des Kunden. Wenn du den nicht erreichen kannst, kannst du keine Wunschbarkeit generieren. Wenn er keine Wünsche hat, dann kauft er nichts. Ich glaube, das ist so, das ist die Kette.
SPEAKER_00Habe ich nichts hinzuzufügen.
SPEAKER_02Ach komm, du musst komplett anders.
SPEAKER_01Was ich daraus. Nee, 100%. Also ich glaube, wir dürfen einfach nicht unterschätzen, wie gerne und wie sozial der Mensch an sich ist und wie er doch gerne sprechen möchte, bevor er kauft. Also es wird immer alles darauf, und da nehme ich jetzt auch so ein P und C und so weiter, mit rein in diese Rechnung, es wird immer alles darauf optimiert, so wenig Kontakt wie möglich zum Kunden zu haben, so wenig wie möglich mit ihm zu sprechen, ihm angeblich was da abzunehmen, aber es sollen natürlich nur Kosten gespart werden. Und ich kann nur jedem CFO und jedem CEO da draußen sagen, die Kosten sind am Ende Umsatz. Ihr müsst diese Kosten bezahlen, weil eure Kundin will mit euch sprechen. Die will von euch was hören, die will euch schreiben, die möchte beraten werden. Und nur so, meiner Meinung nach, kann man noch eine starke Marke sein und ein starker E-Commerce da oder Einzelhändler. Weil sonst braucht es euch nicht.
SPEAKER_02Wow, das war unser starkes Abschlusswort. Vielen Dank. Gerne. Wir freuen uns jetzt über jedes Feedback, jede Bewertung. Kommt direkt auf uns zu, über alle Kanäle. Wir tauschen uns nämlich total gerne aus und hören uns wieder nächste Woche.
SPEAKER_01Bis dahin. Ciao, ciao.